578
P. Mat,nus:
oh nicht auch bei den Pflanzen reizleitende Strncturen innerhalb des
ProtO])lasten nachweisbar seien.
Was mag nun die Function jener mächtigen fibrillär gebauten
Plasmastränge sein? Wenn man mit II. DE VKIES in den Plasma-
stroiniingoii wichtige Mulfsniittel für den Stofftransport in der Pflanzen¬
zelle erblickt, so kommt man aut* die \ r ennutliung\ dass hier Hin¬
richtungen im Dienste der Leitung plastischer Baustoffe vorliegen.
Diese Möglichkeit ist übrigens schon von XeMEC erwogen worden.
Erklärung der Abbildungen.
Fig. 1—3. Pleromzelleu (junge Gefässglieder) aus der Wurzelspitze von Allium
Cepn im lebenden Zustande. Reicheres Objectiv 9.
4. Pleromzelle mit centralem fibrillären Plasmastrange. Chromessigsäure,
Hämalanu, verdünntes Glycerin. Reicheres Objectiv für homogene Im¬
mersion 18/>.
5. Desgleichen. Chroniessigsänre, Hämalanu, verdünntes Glycerin; Zeiss'
Apochromatobjectiv für homogene Immersion 2,0 //??//, Apert. 1,30.
r d. Langgestreckte Pleromzelle aus der Wurzelspitze einer im Warmhausc
gewachsenen Pflanze. Pikrineisessigschwefelsäure, Safranin-Gentianaviolett,
Canadabalsam. Reichert’s Objectiv für homogene Immersion 18 b.
„ 7. Periblemzelle aus der Wurzelspitze. Pikrineisessigschwefelsäure, Hämalaun,
verdünntes Glycerin. Ueichert’s Objectiv für homogene Immersion 18 b.
8 und 9. Endzeilen von Schleimhaaren von Trariescantia zebrina im lebenden
Zustande. Reicheres Objectiv 9.
73. P. Magnus: Weitere Mittheilung über die auf Farn¬
kräutern auftretenden Uredineen.
Mit Tafel XXXIII.
Eingegangen am 26. December 1901.
lu den Atti del Gongresso ßotanico Internazionale di Genova 1(892
zeigte ich, dass Protomgees (?) filicinas Xiessl eine eigene Gattung
repräsentirt, die ich Uredinopsis nannte. Später wies STÜRMER in
den Botaniska Xotiser 1897) nach, dass auf Struthiopteris germanica
eine zweite Art auftritt, die er Uredinopsis Strufhiopteridis Storni,
nannte. DlETEL beschrieb diese Arten specieller in diesen Berichten
1895, S. 326—331, lind fügte noch eine (hätte Art Uredinopsis Pteridis
Diet. et Holway hinzu.
Mittheilung über die auf Farnkräutern auftretenden Uredineen.
579
E. ROSTRUP stellte 1897 in «1er Botanisk Tidsskrift, 21. Bind,
1. Hefte, S. 42, Uredinopsis Scolopendrii (Feld.) Rostr. auf, die er auf
Blechnum Spicant in Dänemark beobachtet hatte, und zieht dazu die
auf Scolopendrium officmale und Asplenium ruta vmraria auftretenden
Uredo’s, nachdem SCHROETER sie unter dem Xamen Uredo Scolo-
pendrii (Feld.) Schroet. in eine Art vereinigt hatte. Und 1899 tlieilt
E. ROSTRUP in der Botanisk Tidsskrift, 22. Bind, 3. Hefte, S. 258 mit,
dass er Uredinopsis ftlicina (Xiessl) Magn. auf Lastraeci spinulosa auf
Bornholm gefunden hatte 1 ).
Es war mir daher sehr interessant, dass Herr Lehrer \V. IvRIEGER
in Königstein in Sachsen eine Uredo auf Aspidium spi?iulosu?n Sw. in
«ler Sächsischen Schweiz in grösserer Ausdehnung antraf und sie in
seinen Fungi saxonici unter Xd*. 85b als Uredo Scolopendrii (Feld.)
Schroet. ausgab und sie unter demselben Kamen in RABENHORST-
PAZSCHKE Fungi europaei et extra-europaei unter Nr. 4242 vertheilte.
Auf meine Bitte sandte er mir wiederholt reichliches Material zu,
wofür ich ihm auch hier noch meinen besten Dank ausspreche.
Die Untersuchung des Pilzes ergab mir in mehrfacher Hinsicht
unerwartete Resultate.
Was zunächst die Uredolager betrifft, so zeigten sie einen den
mir bekannten Uredo lagern von Uredinopsis- Arten sehr ähnelnden Bau.
Sie bilden sich unter der Epidermis der Unterseite des Blattes Sie
sind von einer geschlossenen Peridie oder Pseudoperidie (wie man
es nennen will) umgeben, die sich am Scheitel punktförmig öffnet
und die darüber gelegene abgehobene Epidermis sprengt (s. Fig. 1).
Häufig öffnen sie sich auch unter einer Spaltöffnung (s. Fig. 2). Die
Peridie wird gebildet von nach «lern Scheitel con\ergirenden Zell-
reihen, deren unterste Zellen schlauchförmig verlängert, deren oberste
Zellen kurz sind (s Fig. 1 und 2). Die untersten schlauchförmigen
möchten den schlauchförmigen Zellen «ler Peridie von der Uredo der
Uredinopsis filicina (Xiessl) P. Magn. entsprechen. Zwischen' den die
Uredosporen abschnürenden Sterigmen wurden keine Paraphysen be¬
merkt (s. Fig. 1). Die Uredosporen selbst sind oval, mit wechselndem
Verhältnisse der Länge zur Breite (s. Fig. 3 und 4). Durchschnitt¬
lich zeigten sie sich 29,9/4 lang und 17,3// breit. Die Uredosporen
haben keine Keimporen und zeigen das bei den Uredosporen ge¬
wöhnliche warzige Epispor. Sie ähneln daher, wie gesagt, sein* den
Uredolagern von Uredinopsis -Arten, wofür sie von ROSTRUP und
IvRIEGER angesprochen wurden und unterscheiden sieh wesentlich
1) Es sei hier noch mitgetheilt, «lass Komaiiov in Jaczewski, Komarov,
Tranzschel: Fungi Rossiae exsiccati Nr. 278 eine in der Provinz Kirin in der
Mandschurei auf Adiantum gesammelte Uredinopsis vertheilt und als neue Art Uredi¬
nopsis Adianti Kom aufgcstelit und beschrieben hat.
1\ Magnus:
;>so
von <1 <mi auf Phegopterls Dryopteris und Cystopteris fragilis auftretenden
Uredolagoru. zu dunen i<*li an Phegopteris Dryopteris und DlETEL
später mi ('y stopf eris fragills Teleutosporen nachwiesen. dio denen der
Gattung Melampsorella gleichen, und die ich daher in die Gattung
Melampsorella stellte.
Um so überraschter war ich, als ich auf dem im November mir
zugesandten Aspidium spimdosiun die zu den beschriebenen Uredo-
lagern gehörigen Teleutosporen auffand und dieselben denen der
Gattung Melampsorella glichen. Sie werden wie bei Melampsorella
intracellulär in den Epidermiszellen gebildet, und zwar, wie die
Uredolager, nur an der Unterseite des Blattes. Das intercellular
vegetirende Mycel. an dem ich niemals Haustorien beobachten konnte,
durchbohrt die innere Wandung der Epidermiszellen der Blattunter¬
seite, und seine in die Epidermiszellen eingedrmigenen Enden schwellen
in den Zellen zu den Teleutosporen an, die sich durch eine Scheide¬
wand abtrennen (s. Fig. G). Diese intracellularen Endzeilen zerfallen
durch Längswände in vier bis acht und vielleicht noch mehr Zellen
(s. Fig. a und 8). Diese intracellularen mehrfächerigen Teleutosporen
haben eine farblose Wandung und zeigen somit den Charakter der
SCHROET RE ‘sehen Gattung Melampsorella . wie ich ihn etwas erweitert
habe in den Ber. der Deutschen Bot. Gesellseh., Bd. XVII (1899),
S. 341, und in den Abhand 1. der Xaturhist. Gesellseh. zu Nürnberg,
Bd. XIII. S. 19 und 20. Häufig wird nur eine Lage von Teleuto¬
sporen in einer Epidermiszelle gebildet. Aber nicht selten wird auch
eine zweite Lage Teleutosporen unter der ersten in der Epidennis-
zelle gebildet, die wenigstens zunächst niedrig bleiben (s. Fig. 7 und 9).
Ob sie überhaupt auswaehsen und wann das geschieht, kann ich nicht
angeben. Ich werde sofort davon sprechen, dass die Teleutosporen,
wie die anderer Melainpsorellen, sogleich nach ihrer Keife keimen.
Aber auch in solchen Epidermiszellen, wo die hohen Teleutosporen
der ersten oder äusseren Lage schon alle gekeimt waren, sah ich
niemals die niedrigen Teleutosporen der zweiten inneren Lage aus-
wachsen. Sie ähneln sehr der inneren Lage von Teleutosporen, wie
ich sie von Melampsorella Aspüliotus (Beck) P. Magn. 1895 in diesen
Berichten Bd. XIII. S. 2SG beschrieben habe und sie auf Taf. XXIII,
Fig. 3 —G abgebildet sind.
Im Gegensätze zu dieser Melampsorella Aspidiotus und dem
häufigsten Verhalten der Melampsorella Caryophyllacearum werden, wie
schon erwähnt, die Teleutosporen überraschender Weise bereits im
Herbste gebildet und keimen sofort nach ihrer Reife im Herbste. -
Die Keimung bietet nichts Besonderes dar; sie ähnelt vollkommen
der von Melampsorella Aspüliotus (Peck) P. Alagn. Am Scheitel der
Teleutospore tritt ein schmaler Fortsatz auf, der die Aussenwandung
der Epidermiszelle durchbohrt und aussen zu dem Promycelium an-
Mittheilung über die auf Farnkräutern auftret enden rrediueen.
581
schwillt. Das Promyceliuin biegt sich nach der Epidermis und
scheidet auf seiner convexen Aussenseite die S])oridien ab (s. Fig. 10).
Ueber den ausgekeimten Teleutosporen sieht man sehr deutlich das
Loch in der Aussenwandung der Epidermiszelle, das das hervor¬
sprossende Promycel beim Beginne der Keimung gebildet hatte (s.
Fig. 9). und ebenso erkennt man dasselbe leicht von der Fläche.
Die Teleutosporen füllen häufig das Lumen der Epidermiszelle
ganz aus. und wird, wie schon erwähnt, sogar eine zweite Lage von
Teleutosporen in einzelnen Epidermiszellen gebildet Aber oft treten
auch nur einzelne Teleutosporen in einer Epidermiszelle auf (s
Fig. 8), und nicht selten werden in den einen Epidermiszellen Te¬
leutosporen gebildet, während die benachbarten Zellen frei von ihnen
bleiben (siehe z. B. Fig. 9). Im Allgemeinen kann in jeder Zelle
Telentosporenbildung stattfinden, sogar in den Schliesszellen der
Spaltöffnung, wie das z. B. Fig. 5 zeigt.
Der Pilz stimmt in der Bildung seiner Uredolager und Teleuto¬
sporen in den wesentlichsten Zügen mit der typischen Melampsorella-
Art, auf der die Gattung Melampsorella von SCHROETER begründet
worden war, überein, und ist daher unbedingt in die Gattung Me¬
lampsorella zu setzen. Wie ist aber die Art zu benennen?
De TONI giebt in SACCARDO Sylloge Fnngorum omni um hucusque
cognitorum Yol. YII. p. 858 als Synonym zu Ureclo Polypodii (Pers.)
DC. eine Ureclo Aspidii Poll. an. Ich habe im Giornale di Fisica,
Chimica, Storia naturale, Mcdicina ed Arti compilato dal Dott. GAS-
PARE BRUGNATELLI, Ton io IX (Pavia 1816), p. 182, und in C. POLLINI,
Flora Veronensis, quam in Prodromum Florae Italiae septentrionalis
exbibet (Verona 18*22—24), p. 731, gesehen, dass POLLINI seine Art
„in stipite et in pagina inferiore frondis Aspidii fragüis ejusqne
varietatis a WlLLDENUWIO vocatae Aspiclium Pontederae u angiebt, d. h.
also auf Cystopteris fragüis. De TONI stellt daher, wie gesagt, mit
vollem Reckte den POLLlNl’schen Xamen als Synonym zu Uredo
Polypodii (Pers.) DC. Auch sonst habe ich keinen eigenen dieser
Form gegebenen Xamen oder nähere Beschreibung in der Litteratur
gefunden.
Die Art ist daher als eine neue Art zu bezeichnen. Ich nenne
sie Melampsorella Knegeriana P. Magn., zu Ehren des Herrn Lehrer
W. KRIEGER in Königstein in Sachsen, der mit so grossem Erfolge
die Pilzflora Sachsens erforscht hat und stets mit aufopferungsvoller
Gefälligkeit mykologiscke Bestrebungen fördert.
Von dieser Melampsorella Kriegeriana und von der Melampsorella
Caryophyllacearum (DC.) Schroet. unterscheiden sich sehr auffallend die
auf Phegopteris Dryopteris auftretende Melampsorella Aspidiotus (Peck)
P. Magn. und die auf (ystopteris fragilis auftretende Melampsorella
Polypodii (Pers.) P. Magn. durch ihre Uredolager und Uredosporen.
P. Magnus:
;>8-j
Wie ieli in di(‘sen Berichten Bd. XIII (1895), S. 287 schon im Gegen¬
sätze zur Ureclo Scolopendrii (Feld.) Schroet. hervorgehoben liabe und
1. e. auf Taf. 23, Fig. G und 7 abgebildet ist, sind die Uredolager der
beiden letztgenannten Arten nicht von einer nur am Scheitel geöffneten
Peridie umgeben, sondern ihre Sterigmen und Paraphysen liegen frei
unter der aufspringenden Epidermis und sind am Rande von einem
Walle von Paraphysen umgrenzt. Ferner sind bei ihnen die Uredo-
sporen mit Keimporen versehen, während die Uredosporen von
Melampsorella Kriegeriana , wie oben dargelegt, keine Keimporen
haben. Ich kann daher diese beiden Arten nicht mehr als Glieder
der Gattung Melampsorella betrachten und muss sie als Repräsentanten
einer neuen Gattung ansehen. Ich nenne diese Gattung Hyalopsora
(hyaliner Krätzepilz), zu der die zwei Arten Hyalopsora Aspidiotus
(Peck.) P. Magn. auf Phegoptens Dryopteris und Hyalopsora Polypodii
(Pers.) P. Magn. auf Cystopteris fragilis gehören. Meine Gattung
Hyalopsora unterscheidet sich von der SCHROETER’schen Gattung
Melampsorella vielleicht in etwas analoger Weise durch ihre Uredo,
wie sich meine Gattung Schroeteriaster von der DlETEL’schen Gattung
Phacopsora unterscheidet. Die beiden letzteren Gattungen stimmen
auch in ihren Teleutosporeneharakteren nahe mit einander überein,
während sie sich durch die Charaktere ihrer Uredolager so sehr
von einander unterscheiden, dass ich im Gegensätze zu DlETEL
Schroeteriaster in die Verwandtschaft von Uromyces ziehe, während
Phacopsora eine echte Melampsoree ist. So könnte es sich vielleicht
auch später heraussteilen, dass Hyalopsora mit ihrer von vielen
Melampsoreen so abweichenden Uredo einer anderen Verwandtschafts-
reilie angehört.
Wenn ich daher zum Schlüsse versuche, Beziehungen der nahe
verwandten Melampsoreen-Gattungen in Form einer Ableitung von
der Gattung Pucciniastrum Otth zum Ausdrucke zu bringen, so soll
damit nicht diese genetische Verwandtschaft behauptet sein. Dazu
sind leider meine Kenntnisse noch zu lückenhaft.
Bei der Ableitung der Gattungen einer Familie von einander
hat man selbstverständlich meistens von den typischen in der Familie
am meisten verbreiteten Formen zu den abweichenden Gattungen zu
gehen. So sind bei den Uredineen — wenigstens in unseren Breiten —
die intercellular gebildeten Teleutosporen mit meistens braun ge¬
färbter Membran das Häufigste, das Typische. Ich gehe daher unter
den Melampsoreen mit mehrzelligen Teleutosporen von der Gattung
Pucciniastrum Otth aus, die intercellular ihre mit braun gefärbter
Membran versehenen Teleutosporen bildet. Ihre Uredolager sind von
einer sich am Scheitel mit einem Ostiolum öffnenden Peridie umgeben.
Von Pucciniastrum leiten sieh einerseits ab Thecopsora P. Magn. mit
eben solchen Uredolagern und intracellular gebildeten gefärbten Te¬
leutosporen, und Calyptospora J. Kühn, mit eben solchen Teleutosporen,
Mittheilung über die auf Farnkräutern auftretenden Uredineen.
583
aber ohne Uredolagev. Ausserdem unterscheiden sich beide Gattungen
sehr bedeutend durch ihre Tracht, die durch den Ort und den Y\ uclis
des die Teleutosporeu bildenden Mycels bedingt ist. Andererseits
leitet sich von Pucciniastrum Uredinopsis ab, die ähnliche Uredolager
und intercellnlare mehrzellige Teleutosporen mit farbloser Membran
hat. Von Uredinopsis gelangen wir zu Melampsorella mit intracellular
gebildeten mehrzelligen Teleutosporen mit farbloser Membran in ganz
analoger Weise, wie wir von Pucciniastrum zu Thecopsora gelangt sind.
Weit abseits von Melampsorella steht durch ihre abweichenden Uredo¬
lager die in den Teleutosporen mit Melampsorella übereinstimmende
Gattung Hyalopsora. \\ ir werden also folgendes Bild haben:
Melampsorella Hyalopsora
Schroet. P. Hagn.
Ca lyptospora
J. Kühn
Thecopsora
P Maen.
Uredinopsis p \[ a gn.
Pucciniastrum Otth.
Es soll dies, wie nochmals hervorgehoben sei, nur die Be¬
ziehungen der Gattungen zu einander andeuten, keineswegs ein Ur-
theil über genetische Verwandtschaft enthalten. Man könnte z. B.
auch Melampsorella direct von Thecopsora dadurch ableiten, dass die
intracellular in den Epidermiszellen gebildeten Teleutosporen farblos
werden. Es würde dann zwei Mal an verschiedenen Stellen der
Schritt von der gefärbten Membran zu der farblosen Membran der
Teleutosporen anzunehmen sein, während wir so zwei Mal den Schritt
von der intercellularen zu der intracellularen Bildung der Teleuto-
sporen sich vollziehen lassen. Nur die offenbar nahe Verwandtschaft
der Melampsorella Kriegeriana zu den Uredinopsis -Arten der Farn¬
kräuter liess mich die gewählte Anordnung als Andeutung der Be¬
ziehungen der Gattungen zu einander den Vorzug geben. Auch könnten
die morphologisch übereinstimmenden Arten der Gattung Melampsorella
verschiedener Abstammung sein. So könnten die Melampsorellen der
Farnkräuter von Uredinopsis abstammen, während Melampsorella Laryo-
phyllacearum aus einer Thecopsora ähnlichen Art hervorgegangen sein
könnte.
Die 'beigegebenen Abbildungen hat Herr Dr. PAUL RÖSELEß
bei mir nach der Natur gezeichnet.
L. Wittmack und J. Kuciiwald:
584
Erklärung der Abbildungen.
Sämmtliche Figuren stellen Melampsorella Kriet/eriana. P. Magn. auf Aspidium
ttpinulosum Sw. vom Uttewalder Grunde in der Sächsischen Schweiz dar.
Fig. 1. Längsschnitt des Uredolagcrs. Vergr. 420.
2. Ansicht der Peridie des Uredolagcrs von oben. Vergr. 420.
8 und 4. Einzelne Frcdosporen. Vergr. 420.
5. Teleutosporenlager von der Fläche gesehen. Vergr. 420.
G. Längsschnitt des migekeimten Teleutosporenlagers. Vergr. 120.
7. Längsschnitt eines ungekeimten Teleutosporenlagers mit doppelter Lage
von Teleutosporen in einer Epidermiszelle. Vergr. 7G5.
„ 8. Epidermiszellen mit einzelnen ausgekeimten Teleutosporen von der Fläche
gesehen. Vergr. 420.
9. Längsschnitt des ausgekeimten Teleutosporenlagers. Vergr. 420.
10. Drei ansgekeimteTeleutosporen mit ihren zum Theil über einander liegenden
Promycelieu im Längsschnitte. Vergr. 7G5.
74. L. Wittmack und J. Buchwald: Die Unterscheidung
der Mandeln von ähnlichen Samen.
Mit Tafel XXXIV.
Eingegangen am 27. December 1901.
In der Pharmacie wird schon längst das echte Mandelöl, welches
aus süssen und bitteren Mandeln gewonnen wird, als „Oleum amyg-
dalarum verunP* unterschieden von ähnlichen fetten Oelen, die von
verwandten Samen herstammen (und den Namen „Oleum amyg-
dalarum aus sogenannten PfirsichkerneiW führen). Letztere Oele
werden bereitet aus Kernen, die unter dem Namen „Pfirsichkerne'*
gehandelt werden, aber selten wirkliche Pfirsichkerne, öfter Kerne
von Pflaumenarten bezw. -sorten oder Aprikosenkerne sind. So geben
z. P). Hager, Fischer und Hartwich im Kommentar zum Arznei¬
buch für das Deutsche Reich, Berlin 1891, Bd. I, S. 270 an, dass die
im Preise billigeren, unter dem Namen ,.Pfirsichkerne“ aus Süd-
Russland und Ungarn in den Handel gelangenden mandelartigen
Samen von Prunus nanu Jess. und Prunus persica Jess. stammen;
ferner S. 272, dass die sogenannten „chinesischen Mandeln“ die ess¬
baren Kerne einer Aprikose sind.
Das Arzneibuch für das Deutsche Reich 1900, S. 259 giebt eine
einfache und sichere Methode an, beide oben genannten Oele nach
ihrem Ursprung zu unterscheiden: